Betroffenenberichte über Sexualverbrechen

18.06.20 Dieter G., meine Geschichte, niedergeschrieben am 18.06.20

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Dieter G., meine Geschichte, niedergeschrieben am 18.06.20 

Wer persönlich zu mir Kontakt aufnehmen möchte 
um zu belegen, dass wir keine Einzelfälle waren, 
bitte eine E-Mail an: 8_88 at gmx. de
Es geht mir nicht um Rache 
sondern darum, die Öffentlichkeit auf diese Missstände 
aufmerksam zu machen                         
weil solche Verbrechen nach wie vor existieren! 
Bitte meldet Euch! 
Das ist eine E-Mail-Adresse, 
speziell für diesen Zweck eingerichtet @-Zeichen einfügen 
und Leerzeichen auslassen.

Dieter G., meine Geschichte, niedergeschrieben am 18.06.20
Im Zuge der ganzen Pädo-Aufdeckungen ist in diesen Tagen 
auch bei mir die längst vergessen geglaubte Narbe wieder aufgerissen 
und ich habe mich erstmals nach so langer Zeit einem Menschen, 
meiner lieben Frau am 14.06.20 offenbart. 
Ich hätte nie gedacht, wie sehr mich diese Geschichte 
noch nach sooo vielen Jahren noch immer emotionalisieren kann. 
Meine Geschichte erzähle ich weiter unten.

Jedenfalls hatte ich nach der so positiven Reaktion 
meiner Frau so die Idee mal im Netz das Stichwort 
„Cecilienstift Bad Lippspringe sexueller Missbrauch“ einzugeben. 
Und siehe da, das war seinerzeit offenbar ein Hotspot, 
wenn auch nicht alle im „Cecilienstift“ geschehen sind.

Mir geht es nicht um Rache sondern darum, 
dass solche Täter und ihre Taten ans Licht der Öffentlichkeit gebracht werden 
damit andere für die Zukunft besser ein Auge haben können, einerseits.
Andererseits möchte ich auch anderen Mut machen
ihr Leid hier öffentlich zu machen. 
Das mit mir war ja keine Einzeltat denn alle 4-6 Wochen kamen ja neue potentielle Opfer.
Es geht mir sehr darum diesen ganzen Sumpf trockenzulegen 
und mögliche internationale Verbindungen aufzuzeigen.

Dieser besagte Masseur/Physio hat später für UNICEF gearbeitet, hört, hört!
Ich werde auch in dieser Sache psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. 
Bin sowieso schon wegen der ganzen Corona-Scheiße, sorry, 
seit Wochen beim Psychiater in Behandlung, einschließlich Krankschreibung. 
Eine REHA ist beantragt. Leider sagte mir mein behandelnder Psychiater, 
dass er sich auf diesem Gebiet nicht auskennt. 
Er werde es aber mit in den ärztlichen Reha-Antrag schreiben, 
allerdings nur als Neben-Diagnose. 
Wie gesagt, ich bin dort wegen rezidivierender depressiver Störung 
mit gegenwärtiger schwerer Episode in Behandlung.
Erst jetzt, indem ich mich auch mit meiner Missbrauchssituation beschäftige, 
wird mir immer bewusster, dass alles zusammenhängt!!
Zu meiner Vorgeschichte möchte ich noch folgende Erklärungen anfügen. 
Meine Kindheit war nicht das, was man unbeschwert nennen könnte. 
Ich habe noch eine drei Jahre jüngere Schwester sowie einen, 
wie sich dann durch das seelische Leiden meines Vaters herausstellte, 
einen circa elf Jahre jüngeren Halbbruder. 
Zu diesem habe ich aber seit bestimmt 40 Jahren keinen Kontakt mehr. 
Unter anderem weil er straffällig geworden ist, 
im Rahmen einer Schießerei mit der Polizei.
Meine Eltern, besonders meine Mutter waren sehr streng 
was sich auch darin äußerte, dass sie uns sehr oft, 
auch mit Gegenständen wie Holzlöffel, Teppichklopfer, Rohrstock 
und sogar einem Kochtopf geschlagen hat. 
Lediglich unser Halbbruder wurde verhätschelt und ständig bevorzugt. 
Meine Schwester ist mit 18 Jahren ausgezogen 
und hat ihren damaligen Freund geheiratet, 
mit dem sie immer noch zusammen ist.

In der Schule wurde ich ständig gehänselt, weil zu der Zeit 
trugen die Jungen lange Haare und ich hatte - Igelschnitt. 
Levis Jeans und Kampfjacke waren angesagt.
Ich trug braune Cordhosen und einen Tweet Mantel.
Ich wurde sehr oft von den Mitschülern verprügelt. 
Natürlich waren auch meine Leistungen nicht die besten, 
obwohl ich nach der mittleren Reife auch auf´s Gymnasium hätte gehen können.
Während meiner Kindheit hatte ich sehr oft, 
7-8 Mal/Jahr eine eiterige Tonsillitis sowie häufige Bronchitiden, 
die mit AB behandelt wurden. Bereits mit 6 Jahren, noch vor der Einschulung 
war ich das erste Mal zur Kur – auf Langeoog – Seeluft, Reizklima.
Danach war ich alle 2 Jahre zur Kur, Diagnosen s.o.

Im Alter von 12/13 Jahren war ich 1971 oder ´72 im „Cecilienstift“ Bad Lippspringe.
Der damalige Physiotherapeut/Masseur, Herr M. (Indonesier 
mit wohl holländischer Staatsangehörigkeit? 
War jedenfalls b. holländischen Militär) hat mich sehr beeindruckt. 
Er sah sehr gut aus, sportlich, durchtrainiert, angenehme Stimme 
und offensichtlich gebildet und mit großem Wissen. 
Er strahlte ein gewaltiges Charisma aus! 
Er ging Tauchen und ist Fallschirm gesprungen. 
Sein Selbstbewusstsein war wie ein Fels in der Brandung,
genau das, wonach ich mich so sehr sehnte.
Neben der Physiotherapie hielt er so genannte „Philosophie-Abende“ 
ab mit ca. 10-15 Teilnehmer/innen (Patienten, alle so in meinem Alter). 
Wir sprachen über UFOs, Atlantis, das Leben nach dem Tod, 
Parapsychologie etc. Alles Themen, die mich faszinierten. 
Danach habe ich viele Bücher zum Thema gelesen.
Darüber hinaus behauptete es, aus der Hand lesen zu können. 
Ich glaubte ihm das und war natürlich ganz wild darauf 
von ihm aus der Hand gelesen zu bekommen. 
Wie gesagt, er war über jeden Zweifel erhaben.
Die Tatsache mit dem Handlesen wird im weiteren Verlauf noch wichtig sein.
Das hatte noch niemand bei mir gemacht. 
Daher fragte ich, ob er nicht nur in die Zukunft schauen können, 
sondern auch Ereignisse aus der Vergangenheit sehen könnte. 
Er bejahte das und erzählte mir einige Begebenheiten aus meinem Leben, 
die er mit Sicherheit nicht in irgendeiner Krankenakte hätte finden können. 
Von da an stieg sein Ansehen und seine Bewunderung bei mir noch mehr.
Es tat mir natürlich gut, dass solch ein Mensch sich für mich interessierte
und mich offensichtlich wertschätzte. Auch im späteren Verlauf war ich
irgendwie stolz, dass dieser Mensch mein „Freund“ war. Deshalb wollte ich
ihn auch nicht verlieren, auch wenn da gewisse Übergrifflichkeiten
seinerseits stattfanden, die ich NICHT gut fand. 
Das Interesse für Frauen war schon geweckt, 
aber irgendwie hatte sich nie etwas ergeben, wohl auch deshalb, 
weil ich sehr schüchtern war und ich mir aus dem bisher 
in der Familie erlebte minderwertig vorkam.
Medizinische Massagen hatte ich bereits schon bei früheren Kuraufenthalten 
bekommen und wusste, wie angenehm Massagen sind 
und er konnte dank seiner kräftigen Hände gut massieren.
Bei einer der nächsten Massagen wurde er dann sexuell übergriffig 
und hat mich anal stimuliert. 
Natürlich wusste ich nicht wie ich darauf reagieren sollte,
ich fühlte mich in der Zwickmühle. 
Zu der Zeit hatte ich noch keinerlei Erfahrung mit körperlichen Begegnungen.
Er bat mich auch bei ihm Hand anzulegen.
Die weiteren Einzelheiten kann ich im Moment emotional noch nicht formulieren.
Jedenfalls, trotz der oben beschriebenen seelischen Zwickmühle, 
stellte ich Ihn dann meinen Eltern vor, 
die mich einen Sonntag im Cecilienstift besucht haben.
Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, 
wie es sich ergeben hat, dass er zu uns nach Hause eingeladen wurde. 
Jedenfalls auch dort kam es in einer Gartenlaube zu sexuellen Handlungen.
Die extrem charismatische Ausstrahlung von Herrn M. 
übertrug sich natürlich auch auf meine Eltern. Auch hier punktete er 
mit dem Handlesen. Besonders bei meiner Mutter, 
wie sich später noch herausstellen sollte. Er prophezeite ihr, 
dass sie eine schwere Verletzung am Rücken haben wird, 
aber alles wieder gut wird. Einige Jahre danach, 
an diese Prophezeiung hat natürlich schon keiner mehr gedacht,
ist sie beim Renovieren von einer kleinen Leiter gefallen 
und hat sich einen Lendenwirbel gebrochen 
und verbrachte ein halbes Jahr im Krankenhaus. 
Gemäß der Prophezeiung ist alles wieder gut geworden.
In dem Moment haben wir uns natürlich an diese Sache erinnert.

Nachdem er sich auch bei meinen Eltern als tollen Kerl präsentiert hatte
wurde er zu einem Wochenendausflug an den Dümmer See eingeladen. 
Hier hatten meine Eltern seit Jahrzehnten einen großen Wohnwagen 
mit Vorzelt sowie ein größeres Kajütboot.
Ich verbrachte die Nacht mit Herrn M. auf dem Kajütboot 
und auch dort kam es wiederholt zu sexuellen Handlungen.
Eigenartiger Weise, das Jahr kann ich nicht mehr benennen, 
hat er auch eine Zeit lang in Dortmund Innenstadt, Möller Straße gewohnt. 
Er hat mich eingeladen ihn zu besuchen. 
Zusammen sind wir dann in das nahe gelegene Hallenbad „Südbad“ gegangen. 
Dort inszenierte er natürlich auch eine perfekte Show. Er kletterte auf den 10 m Turm, 
ging dort im Handstand ein wenig auf der Plattform herum 
um dann mit einem doppelten Salto ins Wasser zu springen.
Danach sind wir zu ihm in die Wohnung in der Möller Straße gegangen.
Auch hier kann ich die Einzelheiten nicht mehr genau rekonstruieren. 
Jedenfalls war schon dort oder kam ein Geschwisterpaar, wohl in meinem Alter. 
Während er uns einander vorstellte fasste er dem Mädchen mit beiden Händen 
von hinten an die Brüste und kommentierte das sinngemäß: Ist doch alles sehr prächtig. 
Dort ist es in meinem Beisein zu keinerlei sexuellen Handlungen gekommen, 
sieht man einmal vom Begrapschen des Mädchens ab.
Ein weiteres Mal hatten wir Kontakt, als er mich zu sich nach Bern 
in die Schweiz eingeladen hat, mit dem Einverständnis meiner Eltern.
Ich kann nicht sagen ob sie etwas gewusst oder zumindest geahnt haben. 
Wir haben niemals darüber gesprochen. Mir war das sowieso peinlich. 
Über Sexualität wurde höchstens in abwertender Weise gesprochen, 
tierisch etc., besonders von meiner Mutter. 
Trotzdem lag bei uns die „Freizeitrevue“ auf dem Tisch, „wegen der Kreuzworträtsel“. 
Seinerzeit gab es darin immer eine erotische Bildergeschichte. 
Bei meinem Vater hab ich dann versteckte pornografische Fotos und Magazine entdeckt. 
Die Aufklärung von meiner Schwester und mir passierte 
indem wir 2, 3 „pädagogisch wertvolle Hefte“ mit Bienchen und Drucken 
eher aus einem Anatomiebuch bekamen.
Er schickte mir ein Zugticket und ich fuhr von Dortmund nach Bern. 
Er holte mich ab und wir gingen in seine Wohnung. Er ist wohl tagsüber arbeiten gegangen,
ist morgens aus dem Haus und kam abends wieder. 
Er hat mir gezeigt, wie ich mir „Schweizer Rösties“ auf dem Herd backen konnte.
Abends zeigte er mir einen Super8 Pornofilm, s/w, in dem natürlich Kinder
die Darsteller/innen waren. Auch dort kam es mehrmals zu sexuellen Handlungen.
Ich weiß nicht mehr, wie viele Tage ich dort in Bern war, vielleicht 2, 3 Tage. 
Dann brachte er mich wieder zum Bahnhof und drückte mir noch 50 DM in die Hand.
Das ganz ging über mehrere Jahre, dass wir uns 1, 2 Mal gesehen haben, 
wenn ich mich recht erinnere. 
Gelegentlich rief er an oder wir schrieben uns (unverfängliche) Briefe.
Er wusste ja, dass ich Tauchen klasse fand, ich bin später der DLRG beigetreten 
und hab mich als Rettungstaucher engagiert. 
Deshalb schickte er mir ein Buch von Jaques Custeau, Das lebende Meer. 
Seine Widmung, s. rechts., sowie 1, 2 Bilder von ihm als Taucher.
Dann wurden die Kontakte weniger bis er sich 1985 zuletzt 
aus einem Dortmunder Hotel meldete. Ich wohnte damals noch bei meinen Eltern, 
so dass er auch bei deren Telefon W48 anrief.
Er sei auf der Durchreise und wollte sich mit mir treffen. Ich weiß es so genau, 
weil ich zu diesem Zeitpunkt seit einem Jahr meine damalig Frau 1 Jahr kannte 
und wir kurz vor der Hochzeit standen. 
Ihr hatte ich natürlich nur von den guten Eigenschaften von Herrn M. erzählt.
Also sind meine Eltern, meine damalige Freundin und ich in das Hotel
 oder es kann auch ein Restaurant o.ä. gewesen sein, weiß ich nicht mehr so genau. 
Jedenfalls hatte er eine blaue? Uniform mit Schirmmütze an 
und gab an jetzt für die UNICEF zu arbeiten.
Irgendwie hatte ich den Eindruck, er war von meinen Heiratsplänen 
und/oder meiner Freundin nicht so begeistert. 
Jedenfalls haben wir das nie mehr thematisiert.
Das letzte, was ich von ihm über meinen Vater gehört habe,
 war, dass er wieder in der Schweiz im Städtchen Pfäffikon lebte 
und als Diamantenhändler tätig gewesen sei.

Zwischenzeitlich war ich verheiratet und lebte mit meiner Frau 
in einer eigenen Wohnung. Weil ich mich getraut habe mit meiner Frau 
über meine „Leiche im Keller“ zu sprechen, ist in mir neuer Mut 
und der feste Wille geboren worden hier etwas Wichtige zu tun. 
Für mich selbst aber auch für die vielen anderen Opfer sexueller Gewalt im Kindesalter.
Ich kann nicht sagen, WIE mein Leben ohne diese Erfahrungen verlaufen wäre, 
auch in Bezug auf Frauen. Ich bin jetzt in 2ter Ehe verheiratet, 
manchmal schwierig aber was ist schon normal? 
Jedenfalls können wir immer noch vertrauensvoll miteinander reden.

Im Internet fand ich dann die Seite „netzwerkB“ 
und habe zunächst kurz meine Geschichte bei den Leserbriefen eingestellt, 
verbunden mit einer von mir eigens eingerichteten E-Mailadresse
für Leidensgenossen/innen, speziell aus dem „Cecilienstift“ Bad Lippspringe.

Nachdem ich weiter auf der Seite gelesen habe und ich die Initiatoren 
und „Macher/innen“ gefunden habe, entschloss ich mich noch offensiver 
nach vorn zu gehen und habe Herrn Andreas Stark mit einer kurzen E-Mail angeschrieben.
So kam ich an die Telefonnummer von Rakuna Schön. 
Während des darauffolgenden Telefonats stellte sich in mir
immer mehr das gute Bauchgefühl ein: „Ja, hier bist Du richtig“
Ich bin glücklich Unterstützung von Gleichgesinnten zu bekommen 
und bitte darum mir die richtigen Schritte zu zeigen, die ich gehen muss.

Seit ich mich mit diesem Thema befasse habe ich verschiedenes gelesen, 
u.a. auch die Folgen des Missbrauchs im Kindesalter, z.B. hier:
 https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/kinder-jugend-psychiatrie/risikofaktoren/sexueller-missbrauch/psychische-folgen/
Darin habe ich ganz viele Parallelen zu meinen heutigen Problemen gefunden. 
Wie ich oben bereits schrieb, bin ich mittlerweile der festen Überzeugung, 
dass sowohl meine privaten wie auch meine beruflichen Probleme                                                                                                                  mit dem Missbrauch zusammenhängen und bis in die heutige Zeit wirken.
Dieter, 18. Juni 2020

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